Warten auf das kleine Vertrauen.

9 Dez
Es war schon einmal da gewesen. Es hat sogar bei mir gewohnt. Es hat nicht viel gebraucht, es war einfach da. Hat neben mir im Bett geschlafen, ist mit mir raus gegangen, mit mir Auto gefahren. Angeschnallt. Natürlich.
Es hat neben mir gestanden und Zähne geputzt, es hat ein Brötchen zum Frühstück bekommen. Es war beim Einkaufen in meiner Jacke. An der Stelle, die das Herz vorm Herbststurm schützt. Ich mochte es wirklich. Sehr. Ich war froh, dass es hier war. Ich wollte es lange nicht hergeben.
 
Doch plötzlich klopfte die Stille an die Wohnungstür. Gehört habe ich das erst gar nicht. Wie auch?
Und sie hat mein Vertrauen einfach mitgenommen. Ohne ein Wort. Ich weiß nicht, ob das Vertrauen das so wollte. Ich denke bis heute, es hat sich gewehrt. Und es war auch so groß, dass es kaum durch die Tür passte. Der Rahmen splitterte ein wenig. Da ist der Lack jetzt ab und ich wurde jeden Tag daran erinnert, dass das Vertrauen fort gegangen war.
Irgendwas hat die Stille wohl gebraucht. Wenn sie schon nicht reden kann.
 
Was blieb war ein leerer Flur, mit diesen hässlichen Fragen an der Wand. Schwarz und klebrig. Nichts vermochte die Fragen verschwinden zu lassen. Keine Farbe konnte sie überdecken. Es blieb ein großes Rätsel ohne Lösung auf der letzten Seite.
So blieben sie, fast ein Jahr. Ohne Miete zu zahlen oder mal eine Packung Nudeln für alle zu spendieren. Manchmal kann man sich seine Mitbewohner eben nicht aussuchen.
 
Man wartete. Darauf, dass es sich die Stille doch noch mal anders überlegt. Dass sie hübsche, bunte Antworten mitbringt, mit denen man endlich über tapezieren kann.
 
Und man wartete vor allem darauf, dass das Vertrauen wieder kommt.
Nur mal auf nen Tee. Die Tassen schon mal auf den Tisch gestellt.
Die, die vorher so verstaubt waren. Von denen man dachte, man würde sie sowieso nie mehr brauchen.
 
Und wenn man dann so da sitzt, an einem Tisch – über Eck – die Finger vor Unsicherheit verknotend, man sich überwindet, das zu sagen, was man immer im Kopf mit sich herum getragen hat, um der Stille damit endlich voll ans Schienbein zu treten…genau an diesem Punkt, schaut es durchs Fenster und winkt. Das Vertrauen. Ich erkenne es noch von damals und es winkt. Nur ganz kurz. Nur so als Geste ‚Ich bin immer noch da‘.
 
Aber klein ist es geworden. Konnte kaum übers Fensterbrett schauen. Wunderte mich, dass es so spät abends noch alleine aus dem Haus darf. Im Dunkeln.
Aber dafür hat es ja den richtigen Namen.
Trotzdem sollte es noch etwas wachsen. Groß und stark werden.
Man ist froh, dass es wieder da ist und hat gleichzeitig Angst, dass es noch mal gehen muss irgendwann.
Ich nehme es wieder mit in die Stadt, es sitzt am kleinen Holztisch in der Ecke und liest die Karte, es trinkt mit Glühwein auf dem Marktplatz unter den ganzen Lichtern. Es kauft Bücher, die man umdrehen und von beiden Seiten lesen muss. So dass es kein Ende, sondern nur eine gemeinsame Mitte gibt.
Es wollte auch unbedingt mal ins Kino, aber ich habe ihm schon gesagt, da läuft gerade nichts Gutes.
Wir haben dann gesagt, wir warten.
Auf bessere Zeiten.
Für Filme.
Und für uns.
 
 
 
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Eine Antwort to “Warten auf das kleine Vertrauen.”

  1. paulinje 9. Dezember 2011 um 22:25 #

    ui

    schön

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