Ein Feiertag.

24 Mrz
Da waren noch andere. Glaube ich. Leute mit Kinderwägen. Ein kleines Mädchen mit so einem Laufrad. Luftballons. Ein älteres Ehepaar weiter hinten auf der Bank.
Der See stellte sich eher als großer Teich heraus. Den Namen ‚See‘ hatte er nicht wirklich verdient, aber ich mochte den Blick, den er einem ermöglichte. Das andere Ufer schien zum Greifen nah, an unserer Seite sah man die Steine unten im Wasser. Vielleicht hätte man durchwaten können, aber es wäre eh zu kalt gewesen.
Die zweite Decke legtest du über uns. Als ob es nur uns beide anginge. Unsere Welt. Abgedeckt und verdunkelt, nicht für andere bestimmt. Es hätte auch niemand sonst verstanden. Es gab nur uns. Uns beide.
 
Ob du mich noch mal in den Arm nehmen dürftest.
Wie vorhin schon.
Ein Jahr her war das alles. Und dann kamst du angelaufen. Über den Parkplatz. Hattest gelächelt und wurdest schneller, damit du eher bei mir bist. Hast dich schon ehrlich gefreut, denke ich.
 
Jetzt sah ich den Kragen deines grünen T-Shirts. Da war die Kante an einer Stelle etwas abgenutzt, etwas von dem Faden stand hervor. Seltsam, was einem plötzlich auffällt. Als bestünde die ganze Welt nur noch einer ausgefransten Ecke Stoff.
Deine Hand streichelte über meinen Arm. Ich bekam sofort Gänsehaut unter meinem fliederfarbenen Pullover. Ich weiß nicht, ob du es bemerktest.
Und plötzlich kam mir alles perfekt vor. Deine Finger an meinem Ellenbogen zu spüren. Die Tatsache, dass ich überhaupt einen Ellenbogen hatte.
 
Eine Windböe strich zwischen unseren Gesichtern vorbei. Viel Platz war da nicht. Wie der Suezkanal. Nur mit Luft. Unser beider Atem hauchte unseren Nasen kleine Wirbel entgegen. Ich glaube, viel mehr da füreinander kann man nicht sein.
 
Du rochst noch genau so. So wie damals. Was Gerüche im Kopf auslösen, ist eine faszinierende Sache. Konto- und Telefonnummern sollten auch Gerüche haben. Damit sie einem immer wieder einfallen.
 
Wie die Zeit, die sonst immer rennt, plötzlich stehen geblieben ist. Als hätte sie uns gesehen im vorbei Joggen und abrupt angehalten. Ihren Lauf der Dinge gestoppt für ein paar Dehnübungen. Sie dehnte sich. Sie dehnte sich aus und ließ uns diese Momente, diese Stille, diese unendliche Nähe, die wir beide ein Jahr lang vermisst hatten. Alles, was unsere Lippen brauchten, um sich wieder zu finden, war da.
 
Dann schlugst du die Augen auf, sahst mich an.
„Wir sollten langsam mal los…“
 
 
Auch das können Lippen mitteilen.
Dass die auch immer übertreiben müssen.
 
 
 
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: