Kann man so nicht sagen, aber anders auch nicht erklären.

11 Apr
 
Liebe Liebe,
 
irgendwie komm ich mir immer noch vor, wie in so einer billigen amerikanischen Low-Budjet-Teenie-Soap. Erst ist man glücklich, dann nicht mehr, man schreit sich an, man trennt sich, man steht dazu, dann kommen erste Zweifel, die fast an ein Maß des Bereuen grenzen, man bekommt einen Dämpfer vom ehemaligen Gegenüber, liegt am Boden, rafft sich auf, humpelt noch ein bißchen, geht aber schon ohne Krücken. Man gewöhnt sich an den Gedanken, den die Realität einem vorgibt. Es ist vorbei, endgültig. Hört so oft die kleine Stimme, die die Tränen im Inneren halten will und sagt: „Hör auf zu glauben, dass er es sich irgendwann anders überlegt. Du willst es doch selbst nicht mehr richtig. Schau dir eure Leben an…kein Platz für sowas wie ein erneutes ‚Uns‘.“
Und irgendwann hört man eben drauf.
 
Das Publikum hat ordentlich mitgelitten, nun huscht dem ein oder anderen ein Lächeln bei gerührtem Blick übers Gesicht. Endlich hat die weibliche Hauptrolle in der wohl letzten Staffel den Punkt erreicht, an dem sie ihr eigenes Leben wieder wahrnimmt und anfängt es zu genießen. Bisher: klassischer Verlauf der Trauerbewältigung.
 
Ich dachte immer, er hat sein neues Leben. Das Depressive, das Ungewisse hinter sich gelassen und damit auch das, was da dazu gehörte…mich eingeschlossen. Die klare Ansage „Sehe momentan keine Chance für uns“…sollte doch ausreichen, um das eigene Herz zum Schweigen zu bringen. Tat es auch. Nachdem man sich nach dem Schlag wieder aufgerichtet hatte, half es einem bei der Alltagsbewältigung sogar. Man hatte, wenn dieses ungute Gefühl, der Kloß im Hals, die Tränen wieder hochkommen wollten, etwas, was man sich vorsagen konnte. Was fest steht. Was einfach so ist. Woran nicht zu rütteln ist.
 
Was dann aber unerwartet kommt und den Charakter der Serie ausmacht, zeigt sich in der Vorschau. Der, den man vergessen musste (wenn auch nicht wollte), meldet sich. Lässt von sich hören. Und schon sortiert man die eigenen Vorstellungen, wies ihm wohl gehen mag, in den Regalen des Gedanken-Supermarktes völlig um. Sollte die kleine Stimme Unrecht gehabt haben?
 
Da schreibt er, dass er sich seit Wochen davon abhalten muss, sich bei mir zu melden. Hätte ich einfach nicht erwartet. Sag mir, Liebe, hast du das getan? Irgendwie ein seltsames, ambivalentes Gefühl.
Einerseits tröstlich, dass er mich anscheinend doch nicht mit allem Schlechten in die Mülltonne geworfen und den Deckel versiegelt hat.
Andererseits ist das aber eben doch wieder eine Tür, die einen Lufthauch ‚Hoffnung‘ herein lässt. Fragt sich nun, was besser ist…
 
„Würde dich einfach gerne sehen“…ich sagte nein. Hat nichts damit zu tun, dass ich ihn nicht sehen ‚will’…jetzt versteh ich endlich den Satz von Karl Valentin: „Mögen hätten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.“ Scheiß Gedanke. Wie sehr man sich doch von äußeren Rahmenbedingungen einschränken lässt…und dass der Mensch, speziell der weibliche, auch noch zusätzlich so emotional und nachdenklich sein muss. Stellt einem nur mannshohe Hürden in den Weg. Andererseits ist es vielleicht auch nicht verkehrt, wenn man über diese Hürden nicht drüber kommt…
 
Irgendwie mach ich mir heute Abend zu viele Gedanken. Meine Finger kotzen Bilder aus Buchstaben. Eigentlich mag ich es nicht, jedes Wort dreimal umzudrehen, nur um zu sehen, was zwischen den Zeilen steht. Entsteht am Ende vielleicht doch nur Chaos und keine klare Intention mehr.
 
Für meine Seele würde der Teufel wohl nicht mehr viel zahlen…das Herz schlägt von Zeit zu Zeit weitere Kerben rein, schaut nicht mehr so gut aus nach den zahlreichen Kämpfen…der Kopf ist der Einzige, der dazwischen geht. Auch gut so, denn würde das Unglück aus der Seele raus gelassen, es würde die heile Welt wohl überfluten.
„Meine Damen und Herren…and the winner is..der Kopf“. Wie das doch immer so ist. Herz und Seele haltet die Fresse, the Brain entscheidet das, macht all eure halbgaren Argumente zu nichtigen Phrasen.
 
Und doch: Man steht vorm Spiegel und verzeichnet auf der Entscheidungsskala kleine Irritationen, die kommen, wenn das Herz den Überraschungsmoment ausnutzt und den Kopf kurze Zeit außer Gefecht setzt: “Rebelliere!“…ein paar Momente nur, dann befreien einen die rationalen Gedanken wieder von dem überfallartigen Seelen-Strip…
 
Was stimmt denn nun? Oder gibt es in dem Fall gar nichts Klares? Wird die Zeit mit sich bringen oder wie? Und wenn ich sicher wüsste, dass er auch noch an mich denkt…? Machte mir auch nicht leichter…
Man kann es so nicht sagen, aber anders auch nicht erklären.
 
 
 
 
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