Paul.

15 Sep
„Wäre gut, wenn der bei dir noch rein könnte. Ok?“
Als ob ich als gerade fertig gewordene Lehrerin da ein wirkliches Mitspracherecht hätte. Als ob ich es mir aussuchen könnte.
„Klar, kein Problem. Wann kommt er denn?“
„Die Mutter bringt ihn nachher her. Würden dann mal so in der 2. Stunde bei dir rein gucken kommen. Nur kurz.“
Gleich heute. Wundervoll. Danke fürs frühzeitige Bescheid geben.
„Super. Dann bis nachher.“
Die Kinder meiner ersten Klasse waren bunt zusammen gewürfelt worden. Ein paar kannten sich schon aus dem Kindergarten von nebenan. Andere kamen von externen Einrichtungen. Aber wie das bei Kindern so ist, nach ein paar Wochen waren sie zu einer Einheit zusammen geschmolzen. Wir waren die 1a. Da gab es nichts zu rütteln dran.
Nun sollte also noch ein Kind dazu kommen. Das Zwölfte. Für eine Klasse im Förderschulbereich ist das schon sehr viel. Ab 13 Kindern müsste die Klasse geteilt werden.
Paul, 7 ½ Jahre, gerade umgezogen mit seiner Familie. Zwei ältere Brüder, die die angeschlossene Hauptschule besuchen würden. Mehr wusste ich nicht.
 
„Boa! Noch n Junge? Scheiße, ich will mehr Mädchen!“
„Scheiße sagt man nicht, Luisa.“
„Spielt der gerne Fußball?“
„Frag ihn, wenn er nachher kommt.“
„Der soll neben mir sitzen!“
„Nein! Neben mir!“
„Ihr wisst, dass das eine Lehrer-Entscheidung ist.“
„Naaaa guuuut.“
 
Sehr leise steht Paul wenig später da, sich halb hinter seiner Mutter versteckend. Ihm ist das nicht so geheuer. Braune Haare, schon recht groß für sein Alter, ziemlich dünn, drahtiger Körper, eine lockere Jeans und ein dunkler Pullover. Er gibt mir brav die Hand, als ich in die Hocke gehe und mich ihm vorstelle. Martin stellt seine Fußballfrage und Paul nickt.
 
Ein paar Tage später sitze ich nach Schulschluss da, stütze meinen Kopf auf meiner rechten Hand ab und blätterte mit der linken langsam die Schülerakte durch. Die Heizung bollert neben dem Pult und gluckert etwas. „Hausmeister Heizung“ notiere ich mir schnell auf ein Post-It und lese weiter. Eine erstaunlich dicke Schülerakte hatte ich da bekommen. Für einen Erstklässler. Aber eigentlich war er das auch gar nicht. Eigentlich war er Drittklässler. Unsere Schule war nämlich bereits die dritte, die er besucht. Respekt. Wie kriegt man so etwas hin? Eingeschult in die zuständige Grundschule, kurz danach Wechsel in eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Die Berichte von Lehrern und Gutachtern waren vernichtend. Das Halbjahreszeugnis strotzte nur so von Formulierungen wie „zeigt kein Interesse an…“, „verweigert die Mitarbeit…“, „lenkt andere vom Lernen ab…“, „zeigt oft unangemessene Verhaltensweisen…“, „kaum Regelbewusstsein…“, „körperliche Auseinandersetzungen mit seinen Mitschülern…“, „keine oder nur unregelmäßig bearbeitete Hausaufgaben…“
Mit anderen Worten: Juhu.
Normalerweise lese ich Schülerakten nie direkt. Nicht aus Faulheit oder Zeitmangel. Ich möchte einfach nicht voreingenommen sein. Ich möchte ein Kind einfach kennen lernen, es beobachten, mir einen eigenen Eindruck verschaffen, bevor ich „die Fakten“ kenne. Diese Fakten gefielen mir nicht. Die klangen so von oben herab. Irgendwie so…genervt von diesem Kind. Unprofessionell.
„Die müssen ja heilfroh gewesen sein, als die Mutter dann umgezogen ist“, denke ich mir und klappe die Akte zu.
 
Ich stehe aus meinem schwarzen Drehstuhl auf, indem ich mich auf den Armlehnen hoch stemme. Der Vormittag war anstrengend gewesen, das merke ich erst jetzt. Ich gehe zu Pauls Platz. In dem kleinen Ablagefach unter der Tischplatte liegen seine Mappen für Deutsch, Mathe und Sachunterricht. Nachdem die Kinder ein Arbeitsblatt bearbeitet und zur Kontrolle gezeigt haben, wird dieses dort direkt abgeheftet. Nun ja…so war’s zumindest von mir gedacht.
Nun ziehe ich ein Blättergewirr heraus, geknautscht und gerissen, verkritzelt oder als Papierflieger gefaltet. Ich seufze und sortiere die noch halbwegs brauchbaren Unterlagen sorgfältig auf die einzelnen Mappen, damit Paul sie morgen gleich in der Früh abheftet.
Von den Kollegen hörte ich schon, dass Pauls ältere Brüder ziemliche „Rabauken“ seien, schon in der ersten Woche eine Schlägerei auf dem Schulhof angezettelt hätten und überhaupt lieber Fäuste als Worte sprächen ließen.
Leider schaute sich Paul dieses Verhalten fast gänzlich ab. Wenn ein Kind ihm am Garderobenschrank im Weg stand, wurde es unsanft weg geschubst. Wenn er über die Schultasche von Linda stolperte, wurde sie mal eben an den Haaren gezogen. Und wenn ihm auf dem Schulhof langweilig war, wurde gerne mal das ein oder andere Gesicht in den Sandkasten gedrückt.
Fast täglich stand ich in meiner Pause hinter der Fensterscheibe und zog Paul früher oder später aus dem Verkehr. Klären ließen sich die Situationen nur schwer. Fast täglich kamen Kinder mit Tränen und aufgeschürften Knien oder Händen zu mir, weil Paul sie zu Boden gestoßen hatte. Er selbst war sich kaum einer Schuld bewusst.
„Wenn der halt da im Weg rumsteht…“
„Was könntest du denn in einem solchen Fall tun?“
Los! Sag: „Fragen, ob er bitte Platz macht.“ Sag es!
„In den Bauch hauen. Hab ich ja auch gemacht.“
So konnte es nicht weiter gehen.
Paul und ich verbrachten viel Zeit alleine miteinander. Es galt die Regel: Wenn es Streit in der Pause gibt, bleibst du am nächsten Tag drin.
Zufrieden war ich damit nicht. Paul ist hyperaktiv, er braucht die Bewegung. Er musste sich irgendwie auspowern können. Und Texte aus dem Lesebuch abschreiben ist dazu nun mal leider nur bedingt geeignet.
Ich gab ihm andere Aufgaben: Die Arbeitstische der Kinder abwischen oder den Garderobenschrank sauber machen. Erstaunlicher Weise tat er das gerne. Nach einer Weile kam er, nachdem seine Mitschüler draußen waren, von sich aus zu mir und fragte nach Eimer und Lappen. Es ging ihm nicht um die Arbeit an sich, denke ich. Er genoss es einfach, dass sich jemand Zeit für ihn nahm. Sich mit ihm beschäftigte. Er die ungeteilte Aufmerksamkeit bekam, die ihm zu Hause fehlte.
An einem weiteren Tag, den Paul nicht auf dem Schulhof verbringen durfte, sitzen wir schweigend im Klassenraum, ich laminiere Bilder für die Deutschstunde kommende Woche, Paul malt ein Bild für Tobi, als Entschuldigung, weil er seine Trinkflasche über seinen Tisch gekippt hat. Er ist grummlig deswegen.
 
„Paul, ich möchte dir einen Vorschlag machen. Hörst du kurz zu?“
„Mhm.“
„Du bist ja ein sehr sportlicher Junge, richtig?“
„Mhm.“
„Und ich weiß auch, dass du eigentlich gerne draußen in der Pause bist, richtig?“
„Mhm.“
„Verstehst du, warum das so oft nicht geht?“
„Mhm.“
„Sag es mir mal.“
„Weil es Streit gibt.“
„Genau. Das klappt noch nicht so gut zwischen dir und den anderen Kindern. Trotzdem möchte ich gerne, dass du dich bewegen kannst.“
Er schaut mich irritiert an.
„Kinder müssen sich zwischendurch bewegen, damit sie danach wieder gut und konzentriert arbeiten können. Und deswegen dachte ich, wenn du noch mal Pausenverbot hast, dann könntest du doch hinten auf die Wiese gehen. Richtung Sportplatz, weißt du? Da ist ja in der Pause kein anderes Kind, also gibt es da auch keinen Ärger. Und du kannst dich ein bisschen austoben.“
Er legt den Stift auf seinen Tisch.
„Echt?“
„Ich dachte mir, das ist eine gute Idee und wollte dich fragen, was du davon hältst.“
Er spielt unsicher an der Ecke des Papiers herum. Er traut meinem Angebot wohl noch nicht.
„Ja…das wäre cool.“
„Gut, dann machen wir das so.“
Ich gehe ans Waschbecken und lasse Wasser über den Tafelschwamm laufen.
„Darf ich dann auch den Fußball mitnehmen?“
„Ja sicher.“
„Ok…“
Paul nimmt den Stift wieder in die Hand und malt weiter. Aus dem Augenwinkel kann ich sehen, dass er lächelt.
Das war wohl der Moment, indem er merkte, dass ich ihm nichts Böses will, ihn nicht bestrafen möchte. Sondern dass es darum geht, dass er hier gut zurecht kommt.
 
Wie viele Gedanken ich mir um Paul machte, konnte er wohl kaum erahnen. Ich bastelte an irgendwelchen Systemen, die ihm klar machen sollten, was geht und was nicht. Eine Ampel, auf der sein Namensschild von grün über gelb auf rot und umgekehrt wandern konnte, je nachdem, wie der Tag und die einzelnen Phasen des Vormittags liefen. Eine Auszeit-Sanduhr, mit der er sich hinten im Klassenraum in die Ruheecke setzen konnte, um runter zu kommen. Belohnungssticker, wenn das Abheften gut funktionierte ohne dass ich ihn erinnern musste. Jeden Morgen räumten wir seine Schultasche aus und sortierten sie ordentlich wieder ein. Wie innerhalb eines Tages da so ein Chaos drin entstehen konnte, ist mir bis heute ein Rätsel.
Paul forderte konsequentes Verhalten von mir, jeden Tag. Es mal locker angehen oder etwas mal ausnahmsweise durch gehen lassen…das gab es nicht. Selbst an Tagen, an denen ich es leid war, müde und ich keine Lust hatte, die Kollegin der Nachbarklasse anzurufen, damit Paul in ihrer Klasse eine Auszeit nehmen konnte…ich nahm trotzdem das Telefon in die Hand. Paul brauchte diese Grenzen. Er wusste damit nach einer Weile mich einzuschätzen. Was er bei mir darf und was nicht und was passiert, wenn er es trotzdem macht. Das gab ihm Struktur und damit Sicherheit.
Es blieb trotzdem schwierig, Paul hatte so viele Baustellen…im sozialen, emotionalen und auch im kognitiven Bereich. Lesen mochte er nicht sonderlich. Übte daheim nicht. Oft behielt ich ihn nach Schulschluss noch eine viertel Stunde da und las mit ihm die Seite mit dem S oder dem Eu.
Mit einigen Mitschülern kam er nach einer Weile klar, fand Freunde.
Wenn ich im Unterricht leise umher ging und mir die Arbeit der Kinder ansah, durfte ich Paul nicht anfassen. Selbst bei einem bejahenden Klopfen auf die Schulter zuckte er zusammen und drehte sich weg. Morgens die Hand geben war gerade noch so in Ordnung, alles andere kannte er nicht und empfand es als zu nah. Ich akzeptierte das. Für eine gut erledigte Arbeit beschlossen wir ein High Five, das fand er super.
 
Paul wohnte ca. 80 km von unserer Schule entfernt. Das ist bei Förderschulen nicht ungewöhnlich. Es gibt einfach nicht so viele davon und daher haben sie einen relativ großen Einzugsbereich.
Aber wenn man die Route des Schulbusses, der die Kinder morgens einsammelte und mittags wieder ablieferte, mit einrechnet, saß Paul täglich fast 4 Stunden da drin. Für ein Kind in seinem Alter jeden Tag eine kleine Weltreise. Oft kam er morgens entweder todmüde oder total überdreht an. Seine Mutter bewirtschaftete mit ihrem neuen Partner einen Bauernhof. Noch so richtig mit Kühen und Heu und matschigen Gummistiefeln. In Pauls Wochenenderzählungen kam hin und wieder ein geschlachtetes Schwein vor und wie sein Opa Wurst gemacht hat.
An sich ein spannendes Leben für Paul, nur hatten die Erwachsenen kaum Zeit für ihn. Seine Brüder waren ein gutes Stück älter als er und hatten keinen Bock auf den kleinen, nervigen Anhang. Pauls Mutter wirkte an seinem ersten Tag gestresst und genervt, sie verabschiedete sich bei mir damals mit: „Na dann viel Spaß mit dem.“
Ich biss die Lippen aufeinander und half Paul, seinen Ranzen aufzusetzen.
 
Es ist Donnerstag, 12.40 Uhr, ich hatte die Kinder gerade verabschiedet und räumte das Krepppapier in den Bastelschrank, als ich höre, wie draußen noch jemand über den Flur schlurft.
„Paul, hast du was vergessen?“
Er verknotet die Finger ineinander und schaut auf den Boden.
Ich gehe auf ihn zu.
„Möchtest du mit mir reden?“
Er nickt. Wir gehen in die Klasse und ich schiebe ihm einen Stuhl hin. Ich selbst nehme mir auch einen der Kinderstühle, so dass ich auf seiner Augenhöhe bin.
„Frau S.?“
„Ja?“
„Die Julia, die geht doch ins Internat hier, ne?“
„Ja.“
Wir haben direkt neben der Schule das Internatsgelände mit sehr schönen, neuen Gebäuden, einem Wasserspielplatz und Klettergerüst. Einige Kinder wohnen während der Woche dort, weil die Fahrt nach Hause jeden Tag zu weit wäre. Nur am Wochenende und in den Ferien sind sie bei ihren Eltern.
Paul schaut mich nun mit großen Augen an.
„Kann ich da auch hin?“
Ein Junge, nicht mal 8 Jahre, fragt mich, ob er ins Internat darf? Julia fühlte sich dort an sich wohl, hatte aber doch auch des Öfteren Heimweh.
 
„Möchtest du das denn?“
Er nickt bekräftigend.
„Ist bei dir zu Hause denn etwas nicht in Ordnung?“
„Die Mama schreit immer so mit uns. Und die Hausaufgaben guckt sie auch nicht an.“
Er bekommt nasse Augen. Ich hole Taschentücher aus unserer Tempo-Schublade.
Er schnäuzt zweimal.
„Da ist alles immer so laut und so.“
Ich würde ihn so gerne jetzt in den Arm nehmen.
„Und die Julia hat gesagt, im Internat wärs voll schön.“
Er sucht einen Ausweg. Eine Alternative. Eine Flucht aus seiner Situation.
„Soll ich mal mit der Mama reden, Paul?“
Er verkrampft sich auf seinem Stuhl.
„Nee, dann krieg ich nur wieder Ärger daheim.“
„Ich versprech dir, das wird nicht passieren. Ich werde der Mama nicht sagen, dass wir beide miteinander gesprochen haben.“
„Ich will lieber ins Internat.“
„Wir werden auf jeden Fall eine Lösung finden, ok?“
„Ok…danke.“
Er hatte sich noch nie für etwas bedankt.
„Es war richtig, dass du bei mir warst. Das hast du gut gemacht. Und nun lauf schnell in die Mittagsbetreuung, ich rufe bei Frau K. an, dass du unterwegs bist. Dein Bus fährt ja schon gleich.“
„Mhm, ok. Bis morgen.“
„Bis morgen Paul.“
 
Ich bleibe wie erstarrt einige Minuten sitzen, so viele Gedanken, die durch meinen Kopf schießen. Dann stehe ich auf, fahre mir mit beiden Händen durch die Haare, muss mehrmals tief ein- und wieder ausatmen. Da möchte ein Kind von zu Hause weg. Weg von der Mama. Weg von seinen Geschwistern. Und es hat sich nur getraut, es mir zu sagen. Plötzlich spielen Buchstaben, Addition und Farbkästen keine Rolle mehr. Da bin ich als Lehrer in einem komplett anderen Bereich gefordert.
 
Nach Rücksprache mit meiner Chefin rufe ich Pauls Mutter an und bitte sie zu einem Gespräch in die Schule. Nur mal zum Austausch, wie es so läuft. Den ersten Termin versäumt sie, taucht einfach nicht auf. Am Tag darauf erklärt sie am Telefon, sie hätte es einfach vergessen, auf dem Hof wäre so viel zu tun gewesen. Wir vereinbaren ein zweites Treffen, sie kommt, aber fast 30 Minuten später.
„Der Verkehr hierher ist ja fürchterlich.“
„Hallo Frau F., ja, um diese Uhrzeit sind die Autobahnen sehr voll. Schön, dass Sie es geschafft haben. Setzen Sie sich doch. Möchten Sie einen Kaffee?“
„Nee, sonst schlaf ich ja heut Abend wieder nicht.“
Die ersten 5 Minuten erzählt sie mir, wie stressig alles ist und wie viel sie zu tun hat. Dass ihr Vater ja auch nicht mehr der Jüngste sei und nicht mehr richtig mithelfen kann. Und einige Kisten vom Umzug selbst jetzt nach Monaten noch in der Ecke stehen und sie ja zu Nichts kommt.
 
Ich blinzele zwischendurch immer wieder auf meinen Stichwortzettel. Ich hatte mir ein sorgsames Vorgehen überlegt, wie ich ganz unverbindlich auf das Thema Internat zu sprechen kommen wollte. So ganz nebenbei, mal vorsichtig antesten, wie sie dazu steht. Sich über einzelne Schlagworte vorarbeiten und dann mal sehen, wie sie reagiert. Ist nun mal ein heikles Thema und bisher musste ich noch nie in Elterngesprächen etwas so Empfindliches und hochgradig Persönliches ansprechen. Noch dazu, wo ich die Mutter ja kaum kannte.
Noch in Gedanken, wie ich den Bogen kriege, reißt mich der letzte Satz von ihr komplett raus.
„Wie bitte?“
„Na, da wollt ich eh mal fragen. Ginge das noch? Ich mein, jetzt hat das Schuljahr ja schon angefangen. Aber das wär echt ne Erleichterung für mich, wenn der Paul da in das Internat könnte.“
„Oh. Ähm…ja. Also, wenn Sie das wünschen, ich kann gerne mal nachfragen. Normalerweise wird die Einteilung der Gruppen immer zu Beginn des Schuljahres gemacht, da haben Sie Recht, aber vielleicht haben die ja noch Kapazitäten frei und Paul kam ja nun mal auch erst später zu uns…“
 
Ich falte erleichtert meinen Zettel zusammen und rede mit ihr die nächsten 20 Minuten über Erziehung und Unterricht und wie sich Paul hier schon eingelebt hat. Sie berichtet mir, wie überfordert sie mit den drei Jungs wäre, die älteren könnten wenigstens noch helfen, aber Paul wäre daheim einfach nur anstrengend und sie packt das alles nicht.
Ich frage mich insgeheim, womit ich mir so viel Ehrlichkeit verdient habe. Sowohl von Paul als auch von seiner Mutter. Beide vertrauen mir offensichtlich, sich gegenseitig aber nicht.
 
Eine Woche später bringt Paul morgens eine große Tasche mit in die Schule. Übernachtungssachen für seine beiden Probetage im Internat. Er ist ganz aufgeregt. Er ist in der selben Gruppe wie Julia.
„Ich zeig Paul heut alles!“, freut sie sich.
Paul lächelt und es ist seit langem der erste Tag, an dem es keinen Ärger gibt, er in der Pause mit den Kindern draußen spielt und bereits jetzt schon ausgeglichener wirkt.
Ich finde auch, dass sich sein Ausdruck verändert hat. Er wirkt offener. Unbeschwerter. Wenn ich in dieses Kindergesicht blicke…das ist es einfach wert. Das ist den Aufwand, die Organisation einfach wert.
 
Ich hatte nach dem Elterngespräch öfter mit den Verantwortlichen im Internat gesprochen, immer wieder um Prüfung gebeten, Paul doch noch aufzunehmen, auch mitten im Schuljahr. Auf die besondere familiäre Situation hingewiesen. Und Pauls weit entfernten Wohnort. Mit Erfolg. Nachdem der Papierkram erledigt, die Finanzierung geklärt war, zog Paul richtig ein. Ich ging an einem Tag nach der Schule mal mit, damit er mir sein neues Zimmer zeigen konnte. Er lief ganz stolz die Treppen hinauf und schleifte mich auch noch ins Badezimmer, zum Sofa, zeigte auf die Playstation, die es aber nur 30 Min. gab statt Fernsehen und den Garten mit dem großen Sonnensegel und die Schaukel, die aber im Moment noch nicht benutzt werden dürfe, weil da neue Sitze dran kommen. Er zeigte mir die Fensterbilder und die lustige Tischdecke mit den Buntstiften drauf, weil das ja der Maltisch ist. Und den Lego-Teppich und die Kiste, in die man die Legosteine wieder einräumt, wenn man fertig ist mit Spielen. Er zeigte mir seinen Kleiderhaken für seine Jacke und das Fach für seine Schuhe. Ich aß mit seiner Gruppe zu Mittag und verabschiedete mich, als sich Paul mit einer Erzieherin an seinen eigenen Schreibtisch setzte, um Hausaufgaben zu machen. In einer Eins-zu-Eins-Situation.
Feste Rituale, wiederkehrende Abläufe, Zu-Bett-Geh-Zeiten, Strukturen und Regeln, die für Paul einsichtig sind und an die er sich gut halten kann. Und nicht zu vergessen: ein ganzer Haufen persönliche Zuwendung. Alles, was Paul gefehlt hatte.
Natürlich gab es weiterhin auch mal Ärger, Streit und Diskussion. Ich hielt viel Rücksprache in der ersten Zeit mit den Erzieherinnen und wir tauschten uns über Paul aus, überlegten uns weiterhin Maßnahmen und Absprachen, die in der Schule wie im Internat galten.
 
Ein fahler Beigeschmack blieb aber. Nämlich die Tatsache, dass es einem Kind und auch dessen Mutter besser geht, wenn sie nicht mehr so viel zusammen sind. Das klingt traurig, aber es entspannte ihr Verhältnis tatsächlich. Die Mutter hatte in der Woche Zeit, sich auf Ihre Arbeit zu konzentrieren und kein schlechtes Gewissen mehr, weil sie sich nicht um Paul kümmerte. Keinen Frust, weil Paul die Bude auseinander nahm, es gab weniger Stress daheim. Am Wochenende machten sie manchmal was zusammen, nur sie beide. Und abends rief die Mutter manchmal im Internat an und Paul berichtete, was er heute alles gemacht hat.
 
Und als das Schuljahr dann zu Ende ist, die Sommerferien beginnen, kommt Paul zu mir. Er hat mir eine Karte gemalt und liest laut „Ich wünsche dir schöne Sommerferien, Frau S.“ vor. Ganz flüssig, mit dem Finger die Silbenbögen nachfahrend. Wie er es im Internat geübt hat. Ich bedanke mich und zur Verabschiedung gibt es dieses Mal nicht nur ein High Five, sondern auch eine dicke, lange Umarmung dazu.
Dass menschliche Nähe nichts Schlimmes ist. Im Gegenteil.
Auch das hat Paul nämlich schon gelernt.
 
 
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52 Antworten to “Paul.”

  1. zwischenbuechern 15. September 2013 um 15:28 #

    Eine Geschichte, die zeigt, wie so etwas laufen kann. Und was zu einem ganz großen Teil unseren Beruf ausmacht – das Zwischenmenschliche.

  2. avalon 15. September 2013 um 15:28 #

    dein bericht geht mir sehr zu herzen. danke für den einblick.

  3. Conny 15. September 2013 um 15:30 #

    Eine Geschichte, die zu Herzen geht…

  4. Hanjo 15. September 2013 um 15:47 #

    Danke – für Deine Arbeit und den Einblick, den Du uns hier gibst.

  5. Xeniana 15. September 2013 um 15:55 #

    Ich schließe mich Hanjo an.Für mich ein sehr spannender Einblick!

  6. Jeanie 15. September 2013 um 16:53 #

    DANKE, ein ganz dickes DANKE für diesen Bericht und den Einblick… Wie schön, daß es Lehrer gibt, die sich derart kümmern und einsetzen! Und wie wunderbar, daß Paul solche Fortschritte macht!

  7. Frau Eff 15. September 2013 um 19:49 #

    Sehr interessanter und berührender Einblick in einen Beruf, von dem ich viel zu wenig weiß. Danke.

  8. diepebbs 15. September 2013 um 20:37 #

    Danke für eure lieben Kommentare.
    Aber das Wort „Einblick“ darf ab jetzt bitte nicht mehr verwendet werden.

    Hier mögliche Alternativen:
    „Drinschau“
    „Innenguck“
    oder als Antonym „Ausblind“

    Danke ❤

  9. P!ROOOO (-(-(--)-)-) (@Ossilie) 15. September 2013 um 21:33 #

    Mach weiter so. Es sollte mehr Menschen wie dich geben.
    Danke für den „Innenguck“ 🙂

  10. teacheridoo 16. September 2013 um 07:32 #

    Mir sind beim Lesen ein bisschen die Tränen gekommen. Vor Rührung. Ganz wunderbare Geschichte. Und gibt so viel Hoffnung – für alle Beteiligten solcher Konstellationen.

    Ganz großes Lob an Dich für Deinen Umgang mit dieser Situation.

  11. normagee 16. September 2013 um 08:00 #

    Das ist wirklich ein sehr berührender Artikel und es freut mich, dass es Pädagogen wie dich gibt, die berufen sind und sich so sehr einsetzen – und das mit diesem Erfolg! 🙂
    Und für Paul freut es mich auch, sehr! Endlich mal die Verbesserung einer Situation statt ohnmächtig mitansehen zu müssen, wie alles stagniert. Ich wünsch‘ ihm Glück auf seinem weiteren Weg. Dir natürlich auch! 🙂

  12. march. 16. September 2013 um 12:18 #

    danke sehr, dass Du Dich so für paul eingesetzt hast. großartig! ❤

    [darf ich etwas anmerken? in ganz vielen beschreibungen, die Du für paul gebrauchst, klingen für mich hinweise auf highsensitive/minderleister an. keine hausaufgaben, kein interesse, stört den unterricht, "alles immer so laut", berührungsempfindlich, … ob da jemand ein auge drauf werfen kann?]

    • hikE 12. Januar 2014 um 21:49 #

      wenn ich mir sowohl die großartige und rührende Geschichte – danke dafür! – als auch Deine @marchs Anmerkung durchlese, macht’s bei mir klick – 30 Jahre nach meiner Schul“karriere“.

      Damals gab es den Begriff „highsensitive/ minderleister“ noch nicht mal als Gedankengang und trotzdem weiss ich, dass ich aufgrund vieler Probleme seit meiner Einschulung VIELEN LehrerInnen persönlich im Gedächtnis geblieben bin, auch meine Grundschullehrerin Frau M. hat sich vor einem Jahr noch nach mir erkundigt.

      Paul drück ich alle Daumen, dass er ebenso wie ich seinen Weg und Platz in der Welt finden wird!

      Einen ganz riesigen Dank der Autorin des Textes – eine solche Sicht- Möglichkeit auf einen kleinen Menschen ist keinesfalls selbstverständlich.

      Respekt.

  13. Ines Meyrose (@InesMeyrose) 16. September 2013 um 12:36 #

    Berührender Beitrag. Ich arbeite mit solchen Kindern, wenn Sie in einer geförderten Ausbildung sind und bin immer wieder schockiert, wenn ich die Förderschulzeugnisse mit den ausführlichen Texten „über“ die Schüler sehe. Habe schon manches Mal geweint beim Lesen. Ich wünsche Dir, dass Du Dir Dein Einfühlungsvermögen und die gesunde Distanz zum Selbsterhalt bewahren kannst.

  14. dot tilde dot 16. September 2013 um 14:06 #

    wie schön, dass die traurige geschichte für ihren bericht hier platz gemacht hat.

    .~.

  15. Sandra Malik 16. September 2013 um 15:42 #

    „Pauls“ sind tolle Kinder. Wenn sie das Glück haben, auf die richtigen Personen zu treffen, die sie sehen und nicht nur (ver)urteilen – besonders in der Schule. Wir haben einen „Paul“ zu Hause. Und manchmal spukte uns das Thema Internat auch im Kopf herum. Egal für wen – Eltern oder Kind – Hauptsache Abstand, um die vorhandene große Liebe zueinander nicht aufs Spiel zu setzen. Und auch, um den anderen Kindern wieder gerecht(er) zu werden – und ab und an sich selbst. Wie oft hörte ich von der Verwandtschaft, was das doch für ein schwieriges Kind sein. Nein, nicht schwierig. Aber eine Herausforderung. Und wie oft wurde ich gerügt, dass ich so streng zu ihm wäre. War ich nicht konsequent, war er eben die Herausforderung. Jede Nachlässigkeit unsererseits bedeutete 2 Wochen von neu lernen, wie die Regel lautete. Und Ärger und Erschöpfung und Tränen auf beiden Seiten. Dieser unserer Paul ist ein sensationelles Kind. Er verlangte uns die letzten Jahre viel Kraft ab, manchmal bis zur Erschöpfung. Aber, das kann ich mit Gewissheit sagen: Dieses Kind ist der großherzigste, liebevollste, mitfühlendste Kind, was ich kenne. Wenn seine „kleinen grünen Männchen“ mal Pause haben, dann ist das Kind einfach nur umwerfend und bezaubernd. Und die guten Phasen lassen uns die schlechten bewältigen. Danke an die ein oder andere Lehrkraft, die unseren Paul mit offenen Augen sieht, ihn nicht nur als Störfall bezeichnet und ihm eine bis 1.000 Chancen lässt.

    • ich 17. September 2013 um 16:48 #

      und das ist toll?
      Sorry, unter „tollen Kindern“ verstehe ich andere. Wertvoll, wie jeder Mensch, ja. Aber nicht „toll“.

      • Sandra Malik 18. September 2013 um 07:36 #

        du (?). Ich schrieb ja, wenn sie das Glück haben, auf die richtigen Personen zu treffen, die sie auch sehen und ihnen eine Chance geben. Für die, die diese Kinder nicht sehen können/wollen, sind das natürlich nur fürchterlich unerzogene nervende laute kleine Menschen. Was sind denn für dich tolle Kinder? Die angepassten, nie zappelnden, immer mit dem Strom schwimmenden? Die immer Ja und Amen sagen, nichts in Frage stellen, nie stören? „Unser Paul“ hat das Glück, dass wir als Familie es uns leisten können, diese Herausforderung anzunehmen. Das muss man nämlich auch, es sich leisten können. Zeitweise haben wir uns Unterstützung von außen geholt, mittlerweile ist das nicht mehr nötig. Ohne Frage, diese Kinder SIND toll.

  16. lana74 16. September 2013 um 20:08 #

    Pipi in den Augen!

  17. Uwe 17. September 2013 um 09:22 #

    Bildblog hat mich hergeführt.
    Wunderbar.

  18. Geoff 17. September 2013 um 09:23 #

    Sehr schön, freue mich das dein Beruf so wichtig ist. Du hast wirklich wichtige Arbeit geleistet aber es kostet viel Zeit und Energie. Versuche immer Abstand zu gewinnen!

  19. tino1982 17. September 2013 um 09:23 #

    Erschreckend schön.

  20. Lily 17. September 2013 um 09:42 #

    Paul hat ja schon von Haus gelernt, dass Gewalt gegen Schwächere in Ordnung ist, da auf dem Bauernhof, wo man Tiere ohne Betäubung verstümmelt, sie einpfercht und am Ende tötet. Passt völlig ins Bild. Vielleicht etwas zu subtil für die meisten, für die ein Bauernhof romantische Landidylle bedeutet und Hausschlachtung irgendwas mit heiler Welt zu tun hat, aber im Grunde stimmig.

  21. Hermann 17. September 2013 um 10:00 #

    Könnte es sein, dass Paul das Asperger-Syndrom hat?

    • diepebbs 17. September 2013 um 16:10 #

      Nein, das ist ausgeschlossen. Er zeigte auch keinerlei Tendenzen in diese Richtung (kenne mich da aus).

  22. meykosoft 17. September 2013 um 10:06 #

    Vielen Dank fürs „Nahebringen“…

  23. sinta 17. September 2013 um 10:08 #

    Eine sehr berührende Geschichte.
    Beim Lesen habe ich mich sehr an Torey Hayden erinnert, sie hat sie auch, diese Gabe so aus ihrem Alltag zu erzählen, dass man meint, man ist dabei.
    Vielen Dank für diesen Einblick aus Ihrem Leben.

  24. Sebastian Sutter 17. September 2013 um 10:10 #

    Beim lesen hatte ich wirklich Angst, daß die Geschichte irgendwie – tragisch endet. Gottseidank tut sie es nicht. Ich finde es wunderbar, daß es solche Menschen wie Sie gibt.
    Danke dafür.

  25. Lulu 17. September 2013 um 10:28 #

    Was mir aufgefallen ist: Paul hat „seine“ Lösung selbst gefunden. Sicher, er hätte es alleine nie umsetzen können – aber er hat den richtigen Weg für sich selbst entdeckt und dann den Mut aufgebracht, sich Hilfe zu suchen, damit er diesen Weg auch gehen konnte. Das finde ich sehr beachtlich.

  26. Thomas 17. September 2013 um 10:36 #

    Rührende Geschichte, hab ein bisschen feuchte Augen bekommen. Danke für diesen tollen Innenguck 🙂

  27. Thomas Arbs 17. September 2013 um 10:45 #

    Paul war auch schon in „1 Jahr Hamburg“, richtig? Es ist schwer zu verdauen für den außenstehenden Leser, dass es besser für das Kind sein kann, wenn die Eltern an ihm arbeiten, indem sie sich zurücknehmen. Als Vater eines Kindes mit Paul-Tendenzen (aber an der Regelschule) habe ich an dem Brocken zu schlucken. Hoffe, Dinge besser zu machen als diese Mutter, sehe aber auch, dass diese ja auch nichts bewusst Schlechtes macht, es auch nur gut meint.

    Paul muss ja jetzt schon ein Jahr ohne dich hinter sich haben – was ist aus ihm geworden? Dran geblieben?

    • diepebbs 17. September 2013 um 16:12 #

      Ja, das war auch Paul. Ich habe immer noch Kontakt und besuche die Klasse regelmäßig trotz 5 Stunden Autofahrt. Die Kinder und vor allem Paul liegen mir sehr am Herzen. Es geht ihm um so viel besser, ausgeglichen und glücklich.

  28. pruWord (@PRU_Clan) 17. September 2013 um 11:40 #

    Ich habe beim Lesen einen Kloß im Hals bekommen, da mein Vater als Lehrer genauso engagiert ist, wenn er mit Schülern zu tun hat. Als Vater war er mehr so wie Paul’s Mutter. Eher schlimmer.

    Ich wollte immer das machen, was er macht – vielleicht, weil ich seine Aufmerksamkeit gewinnen wollte, aber auch, weil ich mir sicher war, dass ich es konnte, wenn er mir nur zeigen würde, wie es geht.

    Irgendwann habe ich ihn dann dazu bekommen, mir das Werkzeug zu kaufen, dass ich brauchte. Daheim merkte ich dann schnell, dass ich ohne seine Hilfe ziemlich verloren war. Also bat ich ihn, mir wenigstens ein paar grobe Kenntnisse zu vermitteln – das, was er ja jeden Tag in der Schule mit Erfolg tat. Bei mir wollte er das nicht. Ich war enttäuscht, schloss mich ein und fing zögerlich an. Wir wurden dann zum Mittagessen gerufen, ich ging, mein Vater blieb noch. Beim Essen schrie er mich dann an und sagte mir, wie untalentiert ich sei und dass aus mir nie etwas werde. Da war ich 12.

  29. cervo 17. September 2013 um 12:47 #

    Danke!

  30. Peter 17. September 2013 um 12:54 #

    Toll

  31. Mario Liedtke 17. September 2013 um 14:07 #

    Was ist nun schlimmer?
    Dass die Gesellschaft(?) die Eltern zu zuviel Arbeit zwingt, oder
    dass die Eltern Ziele haben, die ihnen wichtiger sind als ihre Kinder, oder
    dass es immer häufiger darauf hinausläuft, dass der Staat die Erziehung komplett übernimmt, oder
    dass wir uns Kriminelle heranzüchten?
    Denn Paul hat Glück gehabt und eine engagierte, kompetente Lehrerin erwischt. Das ist eine Seltenheit geworden. Heutzutage streichen Lehrer den Kindern die Klassenfahrt, wenn sie eine Stunde mehr arbeiten sollen.

  32. Paula Schipperges 17. September 2013 um 14:30 #

    Ja, das ist es genau!

    Ein Kind muss genau angesehen, wahrgenommen, ernst genommen, verstanden werden. Es muss erleben dürfen: So wie ich bin, werde ich angenommen! Es muss erfahren dürfen: Ich bin wertvoll. Ich werde unterstützt.

    Auch die Mutter, auch alle , die im Umfeld des Kindes leben, sollen erfahren: Ich werde gesehen, so wie ich bin, so wie ich kann ….

    Das langsame Aufbauen eines Vertrauensfeldes ist so wichtig. Und dann die Erfahrung des Kindes: die Grenzen, die Maßnahmen, die Angaben sind für mich Stütze, Halt und Orientierung.

    Und das sollen auch Eltern erfahren. ( Begleitung der Eltern ist heute von unsagbarer Wichtigkeit!)

    Solche LehrerInnen braucht die Welt:
    LehrerInnen, Menschen, die den kleinen, wachsenden, sich entwickelnden Menschen – die überforderte Mutter, die hilfesuchende Mutter, die Unterstützung brauchende Mutter sieht und helfend begleitet.

    Dahingehend müssen LehrerInnen unterstützt, ausgebildet und auch begleitet werden:

    Lehrer, Lehrerin zu sein, ist ein wunderbarer Beruf!

    Vielen DANK an die Lehrer Frau S. von Paul!!!

    P.Sch., Lehrerin, seit 40 Jahren – und immer noch mit Begeisterung

  33. kitschautorin 17. September 2013 um 14:44 #

    Schön, wie Paul sich entwickelt hat. Das Ganze hätte aber schon viel früher so sein können, wenn man sich mal richtig um den Jungen gekümmert hätte. So wie die Autorin dieses Blogartikels.

  34. Schmiddl 17. September 2013 um 18:10 #

    Ich sage einfach nur „Danke“. Ich wünsche Ihnen auch weiterhin viel Kraft und den Mut, sich immer selber offen ein Bild von Menschen zu machen und das Erfahrene anzunehmen und den Weg beizubehalten.

  35. Thomas 17. September 2013 um 23:55 #

    Du musst das mit dem Buch unbedingt machen!!! Deine Texte sind wunderbar.

  36. wallmacher 18. September 2013 um 08:05 #

    Schade. Ich hätte mir eine Adoption als rührenden Abschluss gewünscht. Aber nett erzählt ist es trotzdem.

  37. Gaius 18. September 2013 um 08:42 #

    Schön, wenn eine Tätigkeit als Berufung und nicht nur einfach als Beruf ausgeübt wird. Solche Lehrpersonen braucht die Welt unbedingt und in grosser Zahl. Vielen Dank

  38. Benjamin Reichstein 18. September 2013 um 08:46 #

    Vielen Dank dafür! Ich wünschte es gäbe mehr solcher Lehrer, denn leider sind die meisten die ich in meiner Laufbahn kennengelernt habe eigentlich nur überfordert und / oder desinteressiert.

  39. Drachenkater 18. September 2013 um 11:00 #

    Danke für diesen wundervollen Bericht und Danke das sie sich so für Paul eingesetzt haben.

  40. mikerolli 18. September 2013 um 11:05 #

    Eine wirklich anrührende Geschichte. Noch ein Paul, und 24 Stunden sind zu wenig für einen Tag.

  41. Alex 18. September 2013 um 16:59 #

    Vielen Dank für diesen Beitrag! Toll mal etwas von einer ganz anderen Welt als der Meinen (=Programmierer…) so zu lesen. Bewegend!

  42. Peter 19. September 2013 um 18:56 #

    Bin zu Tränen gerührt

  43. Bernd 19. September 2013 um 19:24 #

    Umwerfend gut geschrieben. Und eine schöne Geschichte. Wir brauchen mehr von deinem Schlag!

  44. Heide Möller 22. September 2013 um 19:19 #

    Eine rührende Geschichte die uns zeigt, dass sich so ein menschlicher Einsatz immer lohnt!!! und jedes Kind es wert ist dafür zu kämpfen. Danke!

  45. eisfreak 26. September 2013 um 10:32 #

    Sehr rührend! Eine schöne Geschichte, die Mut für die Zukunft macht!!!
    Danke dafür

  46. peterguenterlessing 11. Februar 2014 um 01:41 #

    Auch wenn das schon alle geschrieben haben, das ist unglaublich, was Du alles für Paul gemacht hast und ich bewundere Deine Mühe, alles auch noch aufzuschreiben. Das ist ein tolles Beispiel dafür, dass Kinder eben nicht dumm oder gestört sind, sondern dass ihr Leben und ihre Umwelt durcheinander sind. Dein Text über Paul ist eine gute Motivation für uns Lehrer, kein Kind einfach in eine Schublade zu stecken, sondern sich für die Geschichte hinter dem Verhalten oder der Leistung zu interessieren.
    Vielen Dank.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Hey teacher, don’t leave them kids alone | Citronengras - 18. September 2013

    […] Dabei gibt es auch genug andere Beispiele für Menschen dieses Berufsstandes, so wie dieses. […]

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