Aller guten Dinge…

26 Aug

Liebes Hamburg,

drei Jahre. In Silben: DREI (ok, das war jetzt irgendwie nicht so effektvoll, egal).

Drei Jahre sind wir jetzt schon zusammen. Gehen durch dick und dünn. Durch Regenpfützen und durch Sonnenschein. Durch die Hafencity und durch Planten un Blomen.

Für Dich würd ich sogar durch die Lappen oder durch’s Nadelöhr gehen. Im Moment gehst du mir viel durch den Kopf.

Du hast wieder alles dafür getan, mich glücklich zu sehen. Und wenn ich in Dir unterwegs bin, spüre ich es immer: “Du bist meins. Du bist perfekt für mich. Wir gehören zusammen.”

Ich würde so langsam behaupten, dass ich Dich kenne. So von allen Seiten. Ob von oben, von unten nach oben, mittendurch oder Landunter.

Riesenrad, Hafencity, Alter Wall

Riesenrad, Hafencity, Alter Wall

Fischmarkt bei Sturmflut

Fischmarkt bei Sturmflut

Flauschig im Stadtpark, weiß gepudert, mit den letzten bunten Herbstblättern oder mit Abkühlung in praller Sommerhitze.

Stadtpark, Michel, Alster, Elbstrand

Stadtpark, Michel, Alster, Elbstrand

Im Dunkeln oder hell erleuchtet.

Lichterfahrt durch die Speicherstadt, Hafen, Herbstdom

Lichterfahrt durch die Speicherstadt, Hafen, Herbstdom

Ich bin viel durch Dich hindurch gestreift, von einem Ende zum anderen und in der Mitte im Kreis.

Elbeindrücke

Elbeindrücke

Ich bin bis zu den Elbbrücken gejoggt, war auf wunderschönen Konzerten, bin wieder um die Alster gerannt und so oft über die Elbe geschippert.

Scott Matthew, Max Prosa mit Alin Coen

Scott Matthew, Max Prosa mit Alin Coen

Sich nach dem Alsterlauf nicht auf dem Erfolg ausruhen - nur daneben.

Sich nach dem Alsterlauf nicht auf dem Erfolg ausruhen – nur daneben.

Ich habe eine Woche am Strand in einem alten Kapitänshaus gewohnt und die vielen Gesichter des Hafens gesehen.

Wohnen am Elbstrand

Wohnen am Elbstrand

Manche denken, ich kenne Dich sogar schon so gut, dass sie wollten, dass ich in einer Zeitschrift über Dich erzähle. Das hab ich gern gemacht.

Artikel in der freundin

Artikel in der freundin

Und Hamburg, Du bist so schön, Du strahlst so hell, dass sogar alles um dich herum noch ein bisschen hübscher wird. Deshalb habe ich mir das auch mal angeschaut und war an der Ostsee, an der Nordsee (sogar 2mal) und in den Boberger Dünen.

Mehr Meer.

Mehr Meer.

Mehr Meer.

Mehr Meer.

Mehr Meer.

Mehr Meer.

Ostsee

Mehr Meer.

Boberger Dünen

Boberger Dünen

Und Hamburg, dass man von Dir aus einfach mal so ans Meer fahren kann, das macht Dich ja in meinen Augen besonders einzigartig.

“Du bist meins. Du bist perfekt für mich. Wir gehören zusammen.”

Aber Hamburg, meine Liebe, ich muss Dir etwas gestehen. Du bist nicht mehr die Einzige, die solche Worte von mir hört. Es gibt da jemanden. Schon seit geraumer Zeit. Und Hamburg, das ist was Besonderes zwischen ihm und mir.

<3

<3

Er ist eigentlich nicht jemand, er ist derjenige welcher. Er ist der Mann, bei dem man den Artikel betont. Er hat damals dazu beigetragen, dass ich überhaupt zu Dir gefunden habe. Ohne ihn wäre ich vielleicht gar nicht bei Dir. Ich hab ihn Dir schon vorgestellt, erinnerst Du dich? Ich hab ihn schon oft mitgebracht oder her geholt. Ich hab ihm deine liebsten Ecken (und Kanten) gezeigt: Lieblingsplätze, Herzenspunkte.

Er mag Dich auch – wie könnte er nicht? Aber er wohnt weit weg. Verzwickte Situation ist das, Hamburg. Nenn mich egoistisch, aber ich will Euch beide. Zeitgleich. Nicht entweder oder. Und deshalb ist im dritten Jahr nun auch die Sehnsucht mein Begleiter. Egal, bei wem von Euch ich bin, ich vermisse immer einen. Wie das Leben so geht. Durch dick und dünn? Durch Regenpfützen und durch Sonnenschein? Komm Sehnsucht, lass uns einen Spaziergang machen.

Wer nicht?

Wer nicht?

Fränzi.

12 Mär

Ich habe ein Buch aus meiner Kindheit gelesen.
Eins meiner liebsten – damals wie heute: “Fränzi mag gern Marmelade” von Russell Hoban.

Es geht ganz viel um Essen. Und ich singe auch. Oder probiere es.

Fränzi mag gern Marmelade

Fränzi mag gern Marmelade

Wie Vater seine Katze bekam.

26 Feb

Eines Morgens bei Kaffee und Zeitung kommt ihm die Idee. Das Marmeladenbrot mit Quark lässt er auf dem Holzschneidebrett, das vom häufigen Benutzen in der Mitte schon eine Einkerbung hat, einfach liegen. Er steht auf, stellt seine karierten Hausschuhe im Flur vor den Schrank, zieht seine linke Tennissocke etwas zurecht, steigt dann in die Turnschuhe, streift die dunkelgrüne Jacke mit den Goldknöpfen über, die mal seinem Vater gehört hat und verlässt das Haus. Er schließt die Haustür nie ab. Er hat außen eine Klinke, jeder kann einfach hereinkommen. Viele verstehen das nicht oder halten es schlicht für nicht möglich. Sie bleiben wie angewurzelt draußen stehen und klingeln immer wieder, selbst, wenn er von innen „Komm rein, wenn du Kuchen dabei hast!“ ruft.

Die Luft ist schon recht warm, die Sonne ist eben über den Hügel mit den kleinen Schrebergärten hinter der Bahnlinie gekrochen. Man hört den kleinen Bach plätschern, der direkt hinter seinem Haus vorbeifließt.

Ein paar Meter weiter die Straße hoch betritt er die Tierarztpraxis Stein, die sich schon seit Jahren in dem hellblauen Haus mit den weißen Sandsteinrahmen um die Fenster befindet. Die Ärztin kennt ihn gut, obwohl er kein Kunde bei ihr ist. Sie sind schon ewig perdu, das ist ja direkte Nachbarschaft.

Es sind noch keine Frauchen und Herrchen mit Körbchen, Käfigen oder Leinen da, die Tür zum Behandlungsraum steht offen.

„Moin Hermann. Was machstn du hier?“

„Du“, sagt er, „ich hab mir überlegt, so ne Katze, das wär was für mich. Wir hatten 16 Jahre einen Hund, aber davor hatten wir lange eine Katze. Die wurde damals vom Schäferhund des Nachbarn geholt.“

„Du willst eine Katze?“, fragt sie, räumt ein paar Tupfer in eine Schale und desinfiziert sich danach die Hände.

„Du kennst doch hier aufm Dorf jeden. Wenn du mal von wem hörst, der einen Wurf Junge hat, denkste mal an mich, ja?“

„Aber was für ne Katze magste denn?“
„Na ja“, überlegt er, „auf jeden Fall noch ne ganz Kleine. Und vielleicht eine mit nem hübschen Fell. So weiß und dann bunte Flecken wär schön. Und natürlich gesund. Gesund muss sie sein.“

„Aha. Ja ok. Ich schau dann mal und meld mich dann. Kann aber dauern.“
„Eilt nicht“, pfeift er und trottet zufrieden durchs Wartezimmer wieder nach draußen.

Zuhause spült er das Geschirr, schmeißt eine Ladung Weißwäsche in die Maschine und holt neues Feuerholz aus dem Schuppen, als das Telefon klingelt.

„Ich habe eine Katze für dich!“, flötet sie fröhlich.

„Wie?“

Er ist doch etwas sehr erstaunt. Es ist kaum eine Stunde vergangen.

„Ja, ein Fundtier. Komm doch mal rüber.“
„Was für ne Katze ist es denn genau?“
„Ähm, komm doch mal rüber jetzt.“
„Karola, ist es ein Jungtier?“

„Joa…also…komm doch einfach mal.“

Er traut der Sache nicht.

„Wie sieht sie denn aus? Hübsches Fell?“
„Sicher, sicher. Also bis gleich.“

Dann legt sie auf.

Das ist ja komisch, denkt er. Dann stellt er seine karierten Hausschuhe im Flur vor den Schrank, zieht seine rechte Tennissocke etwas zurecht, steigt dann in die Turnschuhe, streift die dunkelgrüne Jacke mit den Goldknöpfen über, die mal seinem Vater gehört hat und verlässt das Haus.

Zwei Minuten später steht er wieder in der Praxis. Vor ihm hockt eine Katze.

„Sie wurde im Waldstück neben dem Krankenhaus gefunden.“

„Aha.“

Die ist doch quasi ausgewachsen.

„Sie hat gerade erst geworfen. Die Jungen sind aber alle schon weg.“

„Aha.“

Grau-braun. Dunkelgrau und braun! Wenn man ganz genau hinguckt, erkennt man zwischendrin Ansätze eines getigerten Fells.

„Ein Bekannter hat sie aufgegriffen. Dem ist schon länger aufgefallen, dass sie da rumstreunert.“

„Aha.“

Irgendwie sieht die ja ziemlich abgemagert aus.

„Aber ich wollte doch…“

„Ich weiß doch nicht, wohin mit ihr jetzt. Die kommt sonst ins Tierheim.“

„Aha.“

Er schaut mit zusammengekniffenen Augen prüfend das Wesen vor sich an. Das wiederum interessiert sich nicht im Geringsten für diesen Typen mit Vollbart und gestreiftem Flanellhemd und blickt statt dessen etwas arrogant an die Decke. Klassisch Katze eben.

„Ist sie wenigstens gesund?“
„Ja klar. Topfit.“

Er seufzt erleichtert.

Die Ärztin dreht sich kurz zu ihrem Schreibtisch und hält dann eine kleine Dose in der Hand.

„Also…wenn du ihr die nächsten drei Monate zweimal am Tag diese Tabletten unters Futter mischst.“

„NA HÖR MAL!“, regt er sich auf.

„Ich wollte eine junge Katze. Mit hübschem Fell. Und gesund. Und dann komm ich extra noch mal rüber und was willst du mir da andrehen? Eine Katze, die älter ist und schon ein Muttertier. Und dann auch noch grau-braun, also bitte. Und dann soll ich der noch ewig Medikamente geben? Haste mir nicht zugehört vorhin? Das ist doch genau das Gegenteil von dem, was ich wollte.“

Und damit war völlig klar, was nun passieren würde. Das Schicksal dieses Tieres war besiegelt. Ein für alle mal.

„Find ich klasse. Die nehm ich.“

Das war vor gut 10 Jahren. Er nannte sie Moppes, weil sie so mager war. So als Motivation. Mittlerweile ist sie so dick, dass sie nur noch über den Zaun des Nachbarn kommt, indem sie sich oben festkrallt und dann eine Fettrolle nach der anderen durch Hin- und Herwippen über den Maschendraht bugsiert. So lange, bis sie vorn überkippt. Sie gucken zusammen Tagesschau und Krimi, sie versucht immer, beim Fußball den Ball zu fangen, wenn er seitlich aus dem Bild rollt. Sie schleppte ihm mal eine blutige Taube ins Haus und zerlegte sie unterm Schrank und er durfte alles aufwischen und sie danach auch noch dafür loben. Und sie drängelt sich morgens zwischen ihn und die Zeitung und schleckt den Quark vom Marmeladenbrot, wenn er einfach aufsteht, weil er wieder eine Idee hat.

(Horizontal-)sport

6 Sep
Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von
„Fit und gesund durch Horizontalsport“.
 
Heute begleiten wir das Pärchen Hanno Hantelbank und Bianca Bizeps, die uns zeigen werden, wie sexy man sich und seinem Körper etwas Gutes tun kann. Wir schalten nun live zu den beiden auf die Yogamatten.
 
 
„Schätzchen, etwas tiefer noch…jaaaa…so ist es gut…schön reingehen in die Bewegung. Genau so. So dehnen wir die Oberschenkelaußenseiten ganz gezielt.“
„Ich muss schon sagen, Bianca, dein Brustgurt passt wunderbar zu dem verschwitzten Sport-BH, den du trägst.“
„Danke, meine Pulsuhr sagt, wir müssen noch aktiver werden, damit wir in den perfekten Fatburner-Bereich kommen.“
„Kommen…gnihi.“
„Soweit sind wir noch lange nicht, Hanno.“
„Lang…gnihi.“
„Jetzt reiß dich mal zusammen. Wir haben immerhin Zuschauer.“
„Ach ja, stimmt. Dann zeigen wir jetzt mal ein paar Übungen, wie Sie die intime Zweisamkeit ganz einfach in ein komplettes Körper-Workout umwandeln können. Wer braucht schon Liebe, wenn er Muskeln haben kann?“
„Genau. Verbundenheit zu einem anderen Menschen ist total out, verbrennen Sie statt dessen lieber überflüssige Kalorien. Sie wollen Ihren Mann so richtig an- und dabei gleichzeitig Sport machen? Kein Problem. Beim Ausführen der Übung ‘Hampelmann’ zum Beispiel…nackt versteht sich…da hüpfen die Brüste sehr schön auf und ab.“
„Uhhhh ja, da steh ich drauf. Und die Männer stellen sich dann etwas weiter als hüftbreit hin, gehen schön in die Knie und schieben das Becken dann vor und zurück. Das ist eine wunderbare Lockerungsübung und fesselt den Blick der Frau, glauben Sie mir das mal.“
„Und sieht auch gar nicht affig aus…“
„Hast du was gesagt, Schatz?“
„Ähm…sieht fantastisch aus, Honey.“
„Yeah. Noch 3…noch 2…noch 1…und noch mal 5…“
„Aber nicht nur im Stehen wird das Vorspiel zum perfekten Cardiotraining. Auch im Liegen lässt sich das ein oder andere Set einplanen.“
„Wieso führen wir das den Zuschauern nicht mal vor?“
„Das ist eine tolle Idee, Hanno.“
„Danke Bianca.“
„Für die erste Übung legt sich die Frau auf den Rücken, der Mann legt sich zwischen ihre Beine. Früher nannte man das Missionarsstellung, wir nutzen diese Gelegenheit aber, um seitlich vom Körper des Mannes mit den Beinen etwas ‘Fahrrad zu fahren’.“
„Und der Mann kann in seine Auf- und Abbewegungen locker noch die ein oder andere Liegestütze einbauen.“
„Um die erotische Stimmung dabei aufrecht zu erhalten, sollten sie nur im Kopf und nicht laut mitzählen.“
„Ermutigungssprüche zum Durchhalten sind aber durchaus möglich, man muss sie nur gezielt formulieren. So etwas wie: ‘Spürst du die Spannung tief in dir drin.’ kann man schließlich so oder so auffassen.“
„Apropos ‘fassen’. Wenn Sie Ihre Partnerin so anfassen…mach mal grad, Hanno…wird sie im Hamdumdrehen zur praktischen Ganzkörperhantel.“
„Ich wüsste ja noch was, was du im Handumdrehen…“
„Hanno, ich bitte dich. Das steht nicht im Trainingsplan!“
„Etwas, was steht, hab ich auch.“
„Orrr. Du machst die ganze romantische Stimmung kaputt.“
„Wie viele romantische Kalorien hast du denn schon verbraucht, Bianca?“
„Erst 245. Du?“
„310, Baby.“
„In diesem Fall, liebe Zuschauer, sollten Sie fair und gerecht mit Ihrem Partner umgehen. Jeder hat das Recht auf ein effizientes und ausgeglichenes Training. Daher sollten wir die Position wechseln, so dass ich mal nach oben kann.“
„Ich kann ja, während du da dann auf mir hockst, ein paar Sit-Ups machen. Kannst du nicht ganz so weit hoch rutschen?“
„Natürlich, kein Problem. Und liebe Frauen, immer schön den Hintern anspannen und wieder locker lassen – nicht vergessen.“
„Für ein Paar ist es besonders erotisch, wenn Sie bei gleicher Kalorienzahl zum Höhepunkt kommen, das verbindet und suggeriert Nähe.“
„Hach Schatz.“
 
 
An dieser Stelle verabschieden wir uns und danken Hanno und Bianca für das heutige Workout. Liebe Zuschauer, wie Sie sehen, ist es ganz leicht, Sport in Ihren Alltag zu integrieren. Selbst im Bett.
Schalten Sie beim nächsten Mal wieder ein, dann mit den Themen „Effektives Tanzen unter der Dusche“ und „Couchwälzen für Fortgeschrittene.“
In diesem Sinne: Werden Sie fick…äh…fit. FIT natürlich.
 
 

Fensterblick.

4 Sep

Das ist jetzt die schönste Zeit des Tages. Wenn sich die Sonne langsam hinunter zum Wasser neigt und den Himmel in dieses Rosa taucht. Die leichten Schleierwolken davor sich in verschiedenen Grautönen daran schmiegen und der Himmel am Horizont die gesamte Farbpalette an Pastelltönen ausbreitet.

Wenn die Wellen unten ans Ufer schwappen, noch mit Bedacht, aber mit einem deutlichen ‘Hier sind wir. Hörst du uns?’. Es ist Flut jetzt am Abend. Der vordere Strand, der morgens noch da ist und auf dem man viel besser laufen kann als dahinter im losen, tiefen Sand, wird nun überspült. Die dunklen Steine des Schutzdeiches nehmen die Wellen auf und lassen sie wieder los, ein harmonisches, eingespieltes Duo. Der zunehmende Halbmond thront stolz darüber, als ob er dafür verantwortlich sei. Ist er ja auch. Vielleicht schaut er sich das Ganze aber auch nur so fasziniert an wie wir hier unten.

Auf dem Weg vorm Haus geht die Laterne an und Pärchen laufen vorbei, Händchen haltend und sich etwas zuflüsternd. Gruppen von Jugendlichen lachen über die Ereignisse beim Grillen vorhin. Radfahrer nutzen die Tatsache, dass nun am Abend weniger los ist und setzen sich über das Fahrverbot hinweg. „Vernünftige fahren hier nicht mit dem Rad. Anderen ist es verboten.“ – ich muss immer an dieses Schild denken und wie ich schmunzelte, als ich es vor zwei Jahren das erste Mal hier um die Ecke sah.

Der Kater kommt und setzt sich neben meinen Laptop auf die Fensterbank. Ich schließe das rechte Fenster, so dass er hinter Glas sitzt, sein neugieriges Wesen verträgt nicht zu viel Freiluft ohne Auffangnetz darunter. Sicher ist sicher. Er lugt vorsichtig um die Ecke und schnuppert kurz, dann drückt er mir sein Köpfchen ins Gesicht und löscht mit der Pfote ein paar Buchstaben. Ich kraule ihn am Hals. Dann legt er sich neben mich und quietscht leise beim Atmen.

Gerade tuckert eine Fähre vorbei Richtung Finkenwerder. Keiner mehr drauf. Wer will auch so spät da noch hin? Ihre Spuren im Wasser lassen den Mann aus Holz, der auf der Elbe Wache hält, hin und her schwappen. Er steht im Schatten der Container, die gegenüber schon den ganzen Tag über aufgeladen werden auf diesen mächtigen Kahn, so lang, dass er fast die ganze Kaimauer besetzt.

Dieses ständige, tiefe Hafenbrummen hat etwas beruhigendes. Wie wenn dein alter Opa dich in den Arm nimmt und mit rauer Stimme ‘Alles gut, mein Schatz. Ich mach das schon!’ murmelt. Mittlerweile ist es richtig dunkel geworden, die Nacht bricht herein. Das geht abends recht schnell.

Die Hafengiraffen haben ihre roten Lampen an den Spitzen angemacht, nach unten strahlen sie im warmen, gelben Licht. Wie eine Art Weihnachtslichterdekoration, dabei ist es da drüben bestimmt dreckig und laut und alles voller Beton und Stahl. Hier drüben wirkt es traumhaft. Zum Seufzen schön.

Das Wasser wirkt wie gemalt, die Lichtbalken tauchen die Elbe scheinbar in flüssiges Gold. Wie tausend Schichten klarer Folie, durch die man sanft hindurch pustet, heben und senken sich die Wellen. Kneift man die Augen etwas zusammen, hat der Blick darauf etwas meditatives, es beruhigt einen bis ins Tiefste. Dazu dann noch eine dieser Windböen, die einen Hauch kühles Meer dabei haben und einem klar machen, dass alles gut ist. Dass dieser Moment gut ist. Dass man davon genießen kann, so viel man will. Es ist genug für alle da.

Duuuu Hamburg, wir haben Zweijähriges, mein Schatz.

2 Aug

Gestern stand ich mit einem unglaublich gut gekleideten, mordsmaskulinen Mann (“guter Freund” war ihm zu lasch) an den Landungsbrücken. Abends um halb 11.

Seit einigen Tagen ist in Hamburg BluePort. Wichtige Gebäude und Wahrzeichen leuchten blau oder werden blau angestrahlt. Ein Kunstprojekt. Es sieht großartig aus, auch, wenn die Masten der Rickmer Rickmers im Dunklen ein wenig gespenstisch erscheinen.

Michel

Michel

Water

Water

Rickmer Rickmers

Rickmer Rickmers

Und dann wurde zur Eröffnung der Cruise Days ein großes Feuerwerk gezündet. Das wollte ich unbedingt sehen. Nicht wegen des eigentlichen Events. Sondern weil es irgendwie so ein bisschen mein Feuerwerk war. Oder vielmehr unseres. Das von Hamburg und mir. Wir beide. Wir haben nämlich Zweijähriges.

Feuerwerk CruiseDays

Feuerwerk CruiseDays

Feuerwerk CruiseDays

Feuerwerk CruiseDays

Feuerwerk CruiseDays

Feuerwerk CruiseDays

Im Nachtrag zu meinem Text zum Einjährigen schrieb ich, was ich mir für mein zweites Jahr mit Hamburg wünsche. Unter anderem wollte ich noch mehr von der Stadt einsaugen, noch mehr neue Ecken erkunden und auch den typischen Touristenkram erleben – auch, wenn ich gar kein Tourist bin. Zum Glück. Und dann, dass ich meinen Körper weiter verändern möchte. Und dass ich gerne eine 2. Liebe neben Hamburg (nämlich in Menschenform) finden würde.

Was davon in Erfüllung gegangen ist? Einiges. Vieles. Nicht alles. Manches nur zum Teil. Es folgt eine Auflistung (auf eine durchgängige Chronologie sowie Vollständigkeit wurde verzichtet):

Cap San Diego

Cap San Diego

– Meinen 1. Hamburg-Geburtstag feierte ich auf der Cap San Diego mit einem grandiosen Sonnenuntergang.

– Ich habe mit meinem Bruder eine Alster-Rundfahrt gemacht.

Alster

Alster

Alster

Alster

Falafel

Falafel

– Ich habe bei einem Umzug geholfen und danach waren wir Falafel essen. Altes Schanzengesetz.

Pandas #WWF

Pandas #WWF

– Ich bin zwischen jeder Menge kleiner Pandabären über den Rathausplatz gelustwandelt.

– Ich habe flauschige Frühlingsblütenbäume und kunterbuntes Herbstlaub gesehen.

Frühling

Frühling

Frühling

Frühling

Herbst

Herbst

– Ich bin einfach mal so durch die Speicherstadt gestreift.

Speicherstadt.

Speicherstadt.

Speicherstadt.

Speicherstadt.

– Ich habe eine Schiffstour durch den Container-Hafen mitgemacht und hatte dabei das beste Vorabend-Fotografen-Licht der Welt.

Containerhafen.

Containerhafen.

Containerhafen.

Containerhafen.

Containerhafen.

Containerhafen.

Plätzchen

Plätzchen

Plätzchen

Plätzchen

– Ich habe so viele Hamburg-Plätzchen gebacken, dass ein ganzer Schiffsbauch davon satt werden würde.

Krankenhaus

Krankenhaus

– Ich kenne nun auch das Krankenhaus in Altona, aber nur 6 Infusionen lang. Dann durfte ich abends wieder nach Hause.

 
Hamburg rockt Alter

Hamburg rockt Alter

– Ich hab Orkan Xaver überlebt, fand das sehr spannend, habe aber keine Fotos, weil ich mich nicht raus traute. Daher einfach mal das:

Stadthausbrücke

Stadthausbrücke

– In Hamburg spielt man statt „Stadt-Land-Fluss“ wohl lieber…

Phantom der Oper.

Phantom der Oper.

– Ich war nach „König der Löwen“ in diesem Jahr auch im „Phantom der Oper“.

Ship

Ship

– Ich war am heißesten Tag des Jahres 2013 so verrückt, eine historische Fleetfahrt zu machen, habe unendlich geschwitzt, aber keinen Sonnenbrand bekommen.

Lesung

Lesung

– Ich habe bei 3 Lesungen mitgemacht.

– Ich habe dabei zugeschaut, wie die Elbe son büschen zufror und wie der Hafengeburtstag ins Wasser fiel.

Elbe

Elbe

Hafengeburtstag

Hafengeburtstag

Vergleich

Vergleich

– Ich habe 15 Kilo abgenommen.

– Ich war endlich öfter im Schanzenviertel unterwegs.

Schanze

Schanze

Schanze

Schanze

Barkasse

Barkasse

– Ich kenne nun Leute mit Freikarten für Barkassenrundfahrten.

– Ich bin schon mehrfach durch den alten Elbtunnel getingelt und finde es jedes Mal schön. Auch, die Skyline von der anderen Elbseite aus anzuschmachten.

Elbtunnel

Elbtunnel

Skyline

Skyline

– Ich bin um 5 Uhr zum Fischmarkt gegangen und habe eine 1,80m große Zimmerlinde 2 km durch Hamburg getragen. Das war ein seltsamer Sonntag.

Fischmarkt

Fischmarkt

Fischmarkt

Fischmarkt

Fischmarkt

Fischmarkt

Krameramtsstuben

Krameramtsstuben

– Ich habe endlich die Krameramtsstuben besucht. Nur umme Ecke und hach, so niedlich.

St. Pauli

St. Pauli

– Ich war auf einem St-Pauli-Spiel. Gut, wir haben verloren, aber der Sonnenuntergang war grandios.

– Ich habe die Alster und Planten un Blomen als neue Laufstrecken für mich erobert und liebe es.

Planten un Blomen

Planten un Blomen

Alster

Alster

Alster

Alster

 

– Die Michelwiese ist meine Hood.

Michelwiese

Michelwiese

Michelwiese

Michelwiese

Michelwiese

Michelwiese

Michel

Michel

Michel

Michel

WM

WM

– Die Fußball-WM wurde auf einer Dachterrasse in der Hafencity zelebriert.

Landungsbrücken

Landungsbrücken

– Ich stand nachts an den menschenleeren Landungsbrücken und habe ein Poetry-Slam-Gedicht darüber geschrieben.

Kleine Dinge

Kleine Dinge

Kleine Dinge

Kleine Dinge

– Ich habe kleine Dinge gesehen und festgestellt, selbst die passen zu Hamburg.

Nachtlauf

Nachtlauf

Nachtlauf

Nachtlauf

– Ich habe im Juni beim 10. Sport Check-Nachtlauf teilgenommen, eine neue, persönliche Bestzeit geschafft und finde es nach wie vor verrückt, dass ich das durchgezogen habe.

– Ich war sehr oft am Strand. Da habe ich mal einem Kreuzfahrtschiff gewunken und es hat dann bestimmt nur für mich zurück genebelhornt. Das war schön.

Strand

Strand

Strand

Strand

Strand

Strand

Strand

Strand

Strand

Strand

– Hamburg bei Nacht ist immer sehr großartig (das wusste ich im 1. Jahr aber auch schon).

Rathaus

Rathaus

Alster

Alster

Michel

Michel

 

– Ich habe große Pötte gesehen.

QM2

QM2

QM2

QM2

Michel&Miri

Michel&Miri

– Meine Mama, mein Papa und mein Bruder kamen mich alle nacheinander besuchen und finden es wohl doch ganz in Ordnung, dass ich in Hamburg lebe.

Rathaus

Rathaus

– Ich habe ein großes Twitpicknick an der Alster veranstaltet mit Seifenblasenmaschine und Grammophon und dringend für wiederholungswürdig befunden.

Picknick

Picknick

Picknick

Picknick

Duuu Hamburg? Machen wir doch genau so weiter, denn wir sind so voll perfekt füreinander, nä?

P.S. Ach so, liebe Liebe, noch ein Hinweis für dich…MACH MA HINNE!

Vorbildfunktion.

21 Mai
Ich bin auf dem Weg zu einem Treffen, auf das ich eigentlich nicht viel Lust habe. Es ist persönlicher Natur. Doofer persönlicher Natur.
Treffpunkt Landungsbrücken, von meiner Wohnung aus etwa 10 Minuten zu Fuß. Wenn man trödelt.
 
Etwas vermuffelt ob der Dinge, die mich erwarten würden, trabe ich über die letzte Fußgängerampel und bin fast schon da, als ich von links ein eher barsch angehauchtes: „Danke für’s Vorbild!“ vernehme.
Eine Sekunde lang bin ich irritiert, ob dieses beleidigende Etwas mir gilt, drehe den Kopf und blicke auf einen vorwurfsvoll kopfschüttelnden Mann mit seiner kleinen Tochter an der Hand, die an eben dieser Ampel, die ich überquerte, stehen und warten.
Nun ist es ja so und diese Tatsache fiel mir in Hamburg erst nach einer Weile auf: Manchmal sind Fußgängerampeln in eine Richtung noch Grün, in die andere aber bereits Rot. Ich begründe das für mich selbst mit der unterschiedlichen Anzahl von zu überquerenden Fahrbahnspuren nach dieser kleinen Mittelinsel, bin mir aber bis heute nicht sicher, ob das so stimmt. Auf jeden Fall stoppt man so die Menschen lieber gleich komplett auf der einen Seite, als dass sie dann eine ganze Ampelphase in der Mitte auf beiden Seiten von Autos und LKW umbraust werden.
 
Auf jeden Fall bin ich mir zu 100% sicher, bei Grün über die Straße gegangen zu sein.
Und nun steht da dieser Typ, Mister Super-Dad, der seine Tochter zu verkehrsbewusstem Verhalten erziehen will. Und alle fiesen Gestalten, die diesen Plan nur ansatzweise verhindern, werden verbal von ihm vernichtet. Und in seinen Augen bin ich jetzt das Negativ-Beispiel. Eine, die zeigt, wie man es nicht macht. Ich zögere noch mal einen Moment, um zu überlegen, ob ich mit dem Ignorieren dieser falschen Bemerkung leben könne, mache dann nach drei Schritten auf dem Absatz kehrt, gehe auf ihn zu und zeige mit einem: „Verzeihung, sehen Sie da oben die Ampel?“ auf das grüne Männchen, das freudig für die Menschen leuchtet, die aus der selben Richtung kommen wie ich eben.
Er schaut etwas verwirrt nach oben, dann wieder zu mir.
„Wie Sie vielleicht sehen“, erläutere ich in einem betont höflichen Ton, „bin ich durchaus bei Grün über die Ampel gegangen. Oh, und was Sie nicht wissen konnten: Ich bin Lehrerin und weiß dadurch sehr wohl, wie man sich an Ampeln gegenüber Kindern verhält. Aber vielleicht sollten Sie sich mal überlegen, welches Vorbild Sie für Ihre Tochter abgeben, wenn Sie einfach ungerechtfertigter Weise fremde Leute auf der Straße anpöbeln. Schönen Tag noch.“
 
Ich hinterlasse einen völlig perplexen Super(beschämten)-Dad, der sich bemüht, seinen tief hängenden Unterkiefer wieder zu kontrollieren und gleichzeitig den Kragen seines Mantels peinlich berührt nach oben klappt und im Weggehen höre ich nur noch eine süße, hohe Mädchenstimme, die neugierig zirpt: „Papa, wer war die Frau?“
 
 
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